Leistungsdaten von Radprofis

HEW Cyclassics 2005 – späte Entscheidung


HEW Cyclassics 2005

Lange Rennen erfordern einen langen Atem. Wer erfolgreich sein will, muss sich zurückhalten, bis es wirklich zählt. Der Fahrtschrieb von Salvatore Commesso (Lampre Caffitta) zeigt dies sehr anschaulich. Commesso ging das Rennen zunächst sehr zurückhaltend an. In der ersten hektischen Phase - 20 Minuten Tempoverschärfung nach der ersten halben Stunde - fuhr Commesso im Feld und begrenzte seinen Leistungsoutput (grüne Kurve) durch Fahren im Windschatten. Nachdem sich Jörg Ludewig vom Feld gelöst hatte, erschlaffte jegliche Aktivität, das Tempo des Feldes fiel zurück auf Touristiker-Niveau. Erst nach knapp zwei Stunden Fahrt, Ludewig hatte sich schon fast 20 Minuten Vorsprung erstrampelt, kam es zu einer erneuten Tempoverschärfung, weil sich eine gut besetzte 28-Mann-Gruppe löste, die das Feld nicht fahren lassen wollte. Vor allem Gerolsteiner hängte sich rein und nach einer guten halben Stunde Jagd mit bis zu Tempo 60 (siehe Gipfel der pinken Kurve) holte das Feld die Gruppe wieder ein, woraufhin das Tempo erneut zusammenbrach. Das wahre Rennen begann dann etwa bei Kilometer 180 – in der Grafik hervorgehoben durch die senkrechten Marker. Während der letzten 70 Kilometer leistete Commesso durchschnittlich über 300 Watt (Rennen gesamt: 200 Watt), die sich aufsummieren aus zahllosen Leistungsspitzen zwischen 400 und 900 Watt. Ludewig und sein Mitausreißer wurden in der schnellen Schlussphase zügig aufgerollt. Die letzte Fahrt über den Waseberg bracht erwartungsgemäß die entscheidende Attacke und Commesso war im Bild und bei der richtigen Gruppe dabei. Im Spurt der 15köpfigen Gruppe wurde Commesso Siebter, Ullrich Zwölfter. Es gewann Filippo Pozzato vor seinem Quick Step Teamkollegen Luca Paolini. Beide hielten sich in der Schlussphase bis zuletzt vornehm zurück, als Fassa Bortolo, vertreten durch vier(!) Fahrer etwas orientierungslos Tempo bolzte und sparten so wertvolle Energie für den Sprint.

Commessos Teamkollege Enrico Franzoi, der in der Schlussphase nicht die richtige Gruppe erwischte, hatte im Schnitt einen etwas höheren Energieumsatz als sein älterer Kollege. Ein Indiz für die clevere Energiespar-Fahrweise von Commesso und weiterer Beleg dafür, dass Radrennen nicht durch schieren Energieeinsatz sondern durch richtiges Taktieren gewonnen werden.

Vorentscheidung am Waseberg


Waseberg

Dieser Ausschnitt aus dem Fahrtschrieb oben zeigt die letzte Überfahrt über den Waseberg. Der Ausschnitt beginnt mit dem Ende der Abfahrt, die zum Waseberg führt. Der 900 Watt Peak vor Minute eins ist ein Antritt nach der vorletzten Kurve, mit der sich Commesso in Position bringt. Nach der letzten Kurve in die Steigung rein ist der Antritt weniger gewaltig. Die eigentliche Kernsteigung ist an der auf 15 km/h fallenden Geschwindigkeit zu erkennen und durch das Intervall markiert. Commesso leistet hier für eine Minute 537 Watt. Im zweiten kurzen Stich, der nach kurzer Abfahrt folgt (Geschwindigkeitspeak nach dem markierten Intervall), fällt die Entscheidung über die Zusammensetzung der Spitzengruppe. Hier verliert Erik Zabel den Kontakt. Vielleicht hatte sich Zabel zu sehr darauf fokussiert, den harten Teil des Anstiegs zu meistern. Commesso bleibt auch am zweiten Stich konzentriert, investiert knapp 800 Watt und hält den Anschluss an Ullrich, Rebellin und die weiteren Fahrer der Spitze.

16. Etappe Tour de France 2005 – Leichter für die Chefs = härter für die Helfer


2. Ruhetag 2005

Vom Start weg wurde wieder ein mörderisches Tempo auf dieser Etappe gefahren, die von Ausreißern bestimmt wurde. Das Stundenmittel im leicht ansteigenden(!) Terrain lag bei gut 50 km/h während der ersten 35 Minuten. Mit dem Col d'Aubisque wartete ein weiterer schwerer Berg auf Salvatore Commesso und seine Kollegen. Aber da es vom Gipfel bis ins Ziel noch gut 60 Kilometer waren, fuhr das Feld hinter den Ausreißern mehr oder weniger geschlossen über den Aubisque und die beiden vorgelagerten Berge. Am kleinsten Pickel, dem Col d'Ichere (3. Kategorie), musste Commesso am härtesten zutreten: knapp 400 W waren gefordert. Am Ende summierte sich der Durchschnitt auf 260 Watt. Erkenntnis aus dieser Etappe: Auch zum Ende der Tour muss man über eine Stunde 350-360 Watt fahren können, um nicht abgehängt zu werden. An kurzen Ansteigen sind rund 400 Watt gefordert – bei Commessos Gewicht von rund 67 Kilogramm. Wer schwerer ist muss natürlich mehr leisten. Der Quotient aus Leistung und Gewicht verrät, was man wirklich leisten muss bei der Tour: 350 W/67 kg = 5,22 W/kg Mindestleistung.

Zweiter Ruhetag Tour de France 2005 – Lieber fahren als nix tun


2. Ruhetag 2005

Interessante Einblicke in das Training am Ruhetag liefert dieser Datenschrieb von Salvatore Commesso. Auch am Ruhetag treten die Profis ins Pedal, um ja nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Knapp drei Stunden standen für den Lampre-Fahrer auf dem Programm. Allerdings wurde sehr langsam gefahren. Bis auf einen längeren Anstieg (Markierung), wo Commesso den „Motor" auf höheres Grundlagenniveau bringt und die Beine an den Rhythmus des Rennens erinnert, wurde ganz entspannt gerollert. 138 Watt Durchschnittsleistung sagen alles: ein regeneratives Training, das vor allem der beschleunigten Erholung dient.

15. Etappe Tour de France 2005 – Über sechs Berge musst du fahren..


15. Etappe 2005

Die mutmaßlich härteste Etappen der diesjährigen Tour ging über sechs Berge – einen Anstieg der zweiten Kategorie, vier der ersten Kategorie und einen der höchsten Kategorie. „Härte" macht sich unter anderem fest am Energieumsatz, der mit 5.700 kJ höher ist als auf jeder anderen Etappe bislang. Besondere Herausforderung an diesem Tag: Im Zeitlimit bleiben. Durch die vielen und frühen Anstiege, war Commesso gezwungen, anfangs das Tempo des Feldes mitzugehen. Erkennbar ist die an den Leistungswerten für die einzelnen Berge. Erst nach dem ersten Drittel der vierten Steigung hat er reißen lassen und sich ins Gruppetto begeben – jener Ansammlung von Fahrern, die kontrolliert versuchen im Zeitlimit ins Ziel zu kommen. Die Durchschnittskletterleistung ging damit schlagartig von 330-350 auf 290 Watt zurück.

14. Etappe Tour de France 2005 – In die wilden Pyrenäen


14. Etappe 2005

Zwei Sorten Belastungsspitzen finden sich in diesem Datenschrieb von Salvatore Commesso: Die wilde Jagd im Flachen Terrain unmittelbar nach dem scharfen Start des Rennens steht den Peaks, die durch die Steigungen verursacht werden, kaum nach. In der ersten halben Rennstunde wurde ein Schnitt von über 50 km/h gefahren und Commesso benötigte im Feld 280 Watt um mitzufahren. Die nächsten Schwierigkeiten waren vier Gipfel der vierten und dritten Kategorie zwischen Kilometer 88 und 115 – schön erkennbar als scharf abgegrenzte Leistungspeaks. Auf die 2000 Meter hohe Port de Pailheres kletterte Commesso mit durchschnittlich 320 Watt. Der Powerschrieb zeigt, dass das Feld mit etwa 350 Watt unten in den Berg rein fuhr. Den Schlussanstieg erklomm Commesso dann kontrolliert mit 300 Watt Durchschnitt - deutlich flotter als den Galibier in den Alpen.

11. Etappe Tour de France 2005 – Dem Himmel sehr nah


11. Etappe 2005

Bergfahrt im Gruppetto: Der Datenschrieb von Salvatore Commesso zeigt, was man als Profi leisten muss, um so kräfteschonend wie möglich über das dach der Tour zu fahren, den 2645 Meter hohen Col du Galibier.

In den Col de Madeleine fuhr das Feld unten mit hohem Tempo rein, wie der Peak in Commessos Leistungskurve zeigt. Im Schnitt erklomm Commesso den ersten Berg dann mit 310 Watt. Den Galibier ist er zusammen mit den anderen Fahrern des Gruppettos sehr kontrolliert und gleichmäßig angegangen. Von unten weg wurde ein moderates Tempo eingestellt. Einziges Ziel: Im Zeitlimit bleiben und so wenig Energie wie möglich verschleudern. Hierfür leistete er im Schnitt 255 Watt bergauf – im Prinzip flottes Grundlagentraining für einen Profi, wäre da nicht die Vorbelastung durch 10 Tage Tour de France. Im Ziel betrug der Rückstand des 54 Fahrer umfassenden Gruppettos auf den Etappensieger Vinokourov 39:46 Minuten.

8. Etappe Tour de France 2005 - Ein harter Arbeitstag auf der Flucht


8. Etappe 2005

Blitzstart: Schon nach 17 Kilometern wartete die erste Bergwertung auf die Fahrer und Salvatore Commesso gehörte vom Start weg zu Ausreißern, die zunächst versprengt über die ersten Anstiege fuhren, bis sich eine siebenköpfige Spitze konsolidierte, die erst am Schlussanstieg auseinanderflog und von den Klassementfahrern gestellt wurde.

Mit einer Durchschnittsleistung von satten 416 Watt stürmte Commesso den ersten Berg (Dobel) in nur 12 Minuten – von Null auf Vollgas binnen kürzester Zeit. Auch die folgenden Hügel verlangten reichlich Leistung. Im Fahrtschrieb ist schön zu sehen, wie die Topographie die Leistung bestimmt. Die Steigungen zeichnen sich alle in der grünen Leistungskurve ab. Im anschließenden Flachstück erbrachte Commesso über 2 Stunden durchschnittlich 260 Watt – in der siebenköpfigen Gruppe reichte das für Tempo 47! Das lässt erahnen, wie genial windschnittig die Profis auf dem Rad sitzen.. Am Schlussanstieg war die Arbeit des Tages wohl schon deutlich zu spüren. Commesso konnte die Attacke von Pieter Weening nicht mehr mitgehen und kletterte den Col de la Schlucht mit einem Schnitt von 330 Watt. Am Ende des Tages summierte sich sein Energieumsatz auf satte 5000 kJ. Zum Vergleich: Teamkollege Gerrit Glomser, der im Feld fuhr, benötigte nur rund 3500 kJ – das macht zwei große Teller Pasta weniger für den Österreicher im Ziel..

7. Etappe Tour de France 2005 - Sprint auf Platz 4 in Karlsruhe


5. Etappe 2005

Gerrit Glomsers Kurve oben zeigt einen überwiegend ruhigen Tag im Feld. Bis auf die etwas hektische erste Rennstunde und einen Leistungspeak am Col du Hantz bei Kilometer 74 musste der Österreichische Meister unterwegs nie richtig aufdrehen. Die Durchschnittsleistung von 180 Watt und der gemessen an der Länge der Strecke niedrige Energieumsatz illustrieren die kraftsparende Fahrweise. Dafür konnte Glomser es am Ende richtig krachen lassen, wie die zum Ende stark anziehende grüne Leistungskurve zeigt.

7. Etappe 2005

Glomsers Endspurt im tumultigen Finale auf Platz 4: Die Grafik zeigt die letzten 9 Minuten vor dem Ziel. Immer wieder leistet Glomser 700 W und mehr, um sich in Position zu bringen. Auch der Windschatteneffekt ist sehr deutlich zu sehen: Teilweise rollte Glomser mit Tempo 60 bei minimaler Leistung. Auch die Durschnittsleistung von „nur" 360 Watt für Tempo 56 kommt durch den Windschatten. Auf den letzten 400 Metern im finalen Spurt sieht man den Unterschied zum Fahren im Wind: Hier leistet Glomser im Schnitt satte 750 Watt für Tempo 61.

5. Etappe Tour de France 2005 - Ausreißer versus Mannschaftsfahrer: Salvatore Commesso und Gerrit Glomser vom Team Lampre Caffita


5. Etappe 2005

Der Fahrtschrieb zeigt die erhebliche Mehrleistung, die der Ausreißer Salvatore Commesso (obere Grafik) gegenüber seinem Teamkollegen Gerrit Glomser aufbringen musste, der sich nach Attacken während der ersten Stunde später überwiegend im Feld bewegte: 260 statt 201 Watt Durchschnittsleistung. Entsprechend musste Commesso auch ein Viertel mehr Energie aufwänden: rund 4.000 statt 3.000 kJ!

Beachtlich ist das extreme Renntempo der ersten Stunde, ein Schnitt von 52 km/h, provoziert durch ständige Attacken vom Start weg - typisch für die ersten Etappen der Tour. Nach einer Stunde tritt Commesso an (Peak in der grünen Leistungskurve), setzt sich vom Feld ab und schließt erst zu Bodrogi und dann zu Carlstrom auf. Nachdem die Gruppe läuft, wird die Leistung sehr gleichmäßig. Das Feld hingegen gibt nach und wird langsamer, erkennbar an der abflachenden Leistungskurve von Glomser. In dieser Phase fährt die Gruppe einen Großteil des Vorsprungs auf das Feld heraus, der maximal 4:11 Minuten beträgt (km 85 - hier schließen die drei auch zu Juan Antonio Flecha auf, der alleine an der Spitze lag).

Der Leistungspeak nach 109 km, der in beiden Kurven zu sehen ist, entsteht an der Bergwertung der 4. Kategorie. Zum Ende des Rennens spiegelt die deutlich ansteigende Leistungskurve von Glomser wider, wie im Feld die Post abgeht. Die Ausreißer können nicht gegenhalten und werden 11 km vor dem Ziel gestellt.

Fahrtschrieb der 1. Etappe 2004 von Saeco/Cannondale Profi Gerrit Glomser

Die vier Kurven zeigen über der horizontalen Zeitachse den Verlauf von Geschwindigkeit (violett, linke y-Achse), Herzfrequenz (rot, rechte y-Achse), grün (Leistung, linke y-Achse) und Trittfrequenz (blau, rechte y-Achse). Die Kurven sind stark geglättet, zeigen also keine Leistungsspitzen sondern den mittleren Verlauf.

Die Durchschnittswerte für die Etappe sind links oben eingeblendet: 229,6 Watt Durchschnittsleistung, ein mittlerer Puls von 137,2 und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,69 km/h kennzeichen die Etappe, die Gerrit Glomser mit Mannschaftsarbeit im Feld verbrachte.

Analyse der 1. Etappe 2004

Diese Ansicht der 1. Etappe zeigt die Häufigkeitsverteilung der Messwerte und offenbart den Charakter der Etappe: Die Leistung (grün, untere Achse) ist relativ gleich verteilt von 100 bis 400 Watt. Darüber hinaus musste Glomser aber kurzzeitig auch bis zu 600 W investieren. Das heißt, dass einerseits viel Zeit kraftschonend im Feld und Windschatten verbracht hat, andererseits aber auch harte Arbeit im Wind geleistet hat und teilweise auch deutlich über seiner Schwelle gefahren ist (seine ANS liegt bei 390 W). Der Blick aufs Tempo zeigt, warum teilweise hohe Leistung gefordert war: die häufigste Geschwindigkeit (violett, obere Achse) ist am höchsten Ausschlag der Kurve zu erkennen und liegt bei knapp 50 km/h!! Wer bei diesem Tempo im Wind fährt muss 400-500 Watt leisten. Der ausgeprägte Triffrequenzpeak zeigt die flüssige Lieblingstrittfrequenz von Glomser: knapp 100 U/min. Insgesamt ist schön zu sehen, wie das hohe Durchschnittstempo vor allem durch die Arbeitsteilung im Feld möglich wird, denn die Durchschnittsleistung ist gemessen am hohen Tempo gering.

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